Die Berliner OperetteNeukölln entdeckt "Frau Luna" Von den fast zwei Dutzend Bühnenwerken des Komponisten Paul Lincke, die zwischen 1897 und 1940 entstanden, ist "Frau Luna" die beliebteste und bis heute populärste Berliner Operette. 1959 begeisterte ihre Inszenierung im Titania-Palast, 1965 und noch einmal 1981 im Theater des Westens. Im Metropol-Theater erlebte das Publikum zwischen 1951 und 1987 vier Neuinszenierungen des legendären Mondflugs einiger verwegener Berliner – Frau Pusebeck, Steppke und Herr Pannecke. 1990 zeigte die Neuköllner Oper eine Adaption der Urfassung, mit Bezug auf die aktuellen Tagesereignisse des wiedervereinigten Berlins. In phantasievollen Szenerien erlebten die Berliner während ihres Mondaufenthalts Abenteuer, die augenzwinkernd die heimischen Verhältnisse zwischen Ost und West mit denen zwischen Erdlingen und Mondmenschen verglichen. Während Paul Lincke und sein Librettist Heinz Bolten-Baeckers am Ende des 19. Jahrhunderts das makellos bodenständige und kleinbürgerliche Berlin vor Augen hatten, landeten die Berliner in Winfried Radekes Inszenierung statt im ersehnten Schlaraffenland nur in einem lärmenden Lunapark. Es war ein satirisches Zerrbild des Zeitgeistes eingebettet zwischen den beliebten Melodien und Ohrwürmern. Die irdischen Nöte und Sorgen auf der Reise in die Traumwelt – zu den "Schlössern, die im Monde liegen..." – vergessend, akzeptierten die Protagonisten am Ende die mit Charme verkündete Weisheit: "Um im Glück dich einzuwiegen, hast du auf der Erde Platz". 
Szene mit Cornelia Poser als Pusebach, Matthias Goldbeck-Löwe als Steppke, Tilman Schladebach als Pannecke in "Frau Luna" von Paul Lincke, Neuköllner Oper, 11. Mai 1990, Regie und musikalische Leitung: Winfried Radeke. Foto: Roland Beeneken © |