Von "Venus auf Erden" zu "Frau Luna"
Uraufführungen in der Friedrichstraße Inspiriert von Aufsehen erregenden Ballonfahrten, fliegenden Zigarren des Grafen Zeppelin und Otto Lilienthals wagemutigen Flugexperimenten erfanden Paul Lincke und der Librettist Heinz Bolten-Baeckers für derlei himmlische Ereignisse eine spritzige, wenn auch anfangs noch nicht abendfüllende Form: die "parodistische Operette". Es begann 1897 im Apollo-Theater mit "Venus auf Erden", einem Einakter in der Art des Berliner Gassenhauers. 1899 schufen Lincke, der gerade aus Paris zurückgekehrt war, und Bolten-Baeckers in nur drei Monaten die Operette "Frau Luna", die am 1. Mai 1899 ihre erfolgreiche Premiere hatte. Das Ambiente und die Protagonisten in "Frau Luna" entsprachen der Atmosphäre Berlins um die Jahrhundertwende, dem Jargon der Hauptstädter – kleinbürgerlich und großmäulig zugleich – und ihrer Technikbegeisterung. "Frau Luna" wurde zum Prototyp der Berliner Operette. Schon bald nach ihrer Uraufführung wurde der erotische Glamour der Frau Luna noch durch das Luftakrobatik-Ballett Grigolatis gesteigert, und der Einakter so zur Mond-Revue erweitert. Ständig ergänzte Lincke die Operette mit neuen Melodien aus seinem Schlagerrepertoire wie zum Beispiel die Titelmusik der "Ausstattungs-Burleske Berliner Luft". 1921 fand schließlich im Apollo-Theater die Premiere der nun zwei Akte umfassenden "Frau Luna" statt. Linckes eingängige Melodien und ihr kesser Ton sorgten für die anhaltende Popularität seiner gelungensten Operette. 
Solotänzerin Grigolatis, nach der das Luftakrobatik-Ballett in "Frau Luna" benannt wurde. © Stiftung Stadtmuseum Berlin 

Premiere von "Frau Luna", 1899, © Stiftung Stadtmuseum Berlin |