Vom Korridor aus betrat man einen Vorraum und von da aus das meist repräsentativ eingerichtete Empfangszimmer, das Wohnzimmer der Familie, die "gute Stube". Daran schlossen sich das Speisezimmer an, das Arbeitszimmer des Hausherren, das Damenzimmer, das Elternschlafzimmer, das von den Kindern nie betreten werden durfte, die Kinderzimmer und die Gesindekammer(n). Bäder waren auch in besseren Wohnungen eher selten. Kleine Hausgärten erweiterten den Wohnraum.
 Die "gute Stube", die man erst im 2. Rokoko (um 1840-60) "Salon" nannte, war mäßig groß, hatte zwei oder drei Fenster, vor denen weiße Musselinvorhänge hingen. Türen und Fenster waren hell gestrichen. Die Wände waren einfarbig hell und mit Stoff- oder Papiertapeten beklebt, die sich durch eine schmale Leiste oder ein gemaltes Simsornament von der Decke absetzten. In Wien war die "steinmarmorierte" Musterung, die den damals beliebten Bucheinbänden ähnlich ist, besonders beliebt. Die Deckenmitte akzentuierte eine gemalte oder stukkierte Rosette, von der ein gläserner oder hölzerner Lüster herabhing. Der Fußboden bestand aus gehobelten Brettern oder einer gemusterten Parkettierung. Die Wohnungen wohlhabender Wiener waren mit den berühmten und begehrten farbenfrohen Linzer Teppichen oder Leistenteppichen (= Auslegeware) ausgelegt.
In reichen Haushalten gab es besondere Raumtypen für die unterschiedlichen Tätigkeitsbereiche (Musik-, Billiard-, Bibliothekszimmer). In Wohnungen, in denen es nur eine begrenzte Anzahl von Räumen gab, schuf man mit dem Mobiliar "Wohninseln", die man je nach Nutzung bewusst voneinander trennte, um Tätigkeiten wie Musizieren, Nähen oder Schreiben auszuführen. Typisch für die biedermeierliche Wohnkultur war das Einbeziehen der Natur in geschlossene Räume, indem man die Räume mit Paravans aus gezogenen Spalieren unterteilte oder mit Jardinieren und Vogelkäfigen schmückte.
 Im Biedermeier sind die Möbel erstmals wirklich mobil und unabhängig von der Architektur. In ihrer Größe übersteigen sie fast nie das menschliche Maß und ihr Qualitätsmerkmal ist die Funktionalität, die Materialtreue und die klare Form. Die beengten Wohnverhältnisse führten zur Erfindung von Kombinationsmöbeln. Zu den wichtigsten Möbeltypen im Wohnzimmer gehörten das Sofa, der Klapptisch, Stühle, ein Sekretär, Vitrinen mit Reiseandenken, ein Nähtischchen, eine Standuhr.
Die gärende Umbruchszeit des Vormärz, spiegelt sich in seiner Dynamik und Widersprüchlichkeit auch in der Kultur des Biedermeier. Aufgrund ihrer wirtschaftlichen Erfolge geadelte Bürger (der sog. "2. Adel"), die Alt-Aristokratie, die häufig Unternehmen führten, das Bildungsbürgertum und experimentierfreudige Kunsthandwerker schufen gemeinsam den einzigartigen Wiener Biedermeier, der sich auszeichnet durch das Nebeneinander verschiedener Stilrichtungen, das Empire, den bereits in  den 30er Jahren des 19. Jhs. vorweggenommenen Historismus (2. Rokoko etc.) und der innovative wienspezifische Biedermeier, der in seiner für die Zeit ungewöhnlichen Farbgebung z.T. manieristisch anmutet und dessen bizarre Formführung (Musterung auf Porzellan und Stoffen) teilweise den Stil des Art-deco vorwegnimmt. Mobiliar und Porzellane, vor allem deren Bemalung, zeichnen sich stets durch hohe handwerkliche Qualität aus.
Lit. Mein blauer Salon. Zimmerbilder der Biedermeierzeit, Auss.Kat. Nürnberg: Germanisches Nationalmuseum, 1995. Heinrich Kreisel u. Georg Himmelheber, Die Kunst des deutschen Möbels, Bd.3, München 1983; Ausst.Katalog des Historischen Museums der Stadt Wien, 17. Dezember 1987-12. Juni 1988; Biedermeier in Wien 1815-1848. Sein und Schein einer Bürgeridylle, Ausst.Katalog des Historischen Museums der Stadt Wien, 29.April-24. Juni 1990
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