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 | Das Sebnitzer Schattenspiel | ... ist kein Schattentheater im üblichen Sinn, sondern eine Form der erzgebirgischen Weihnachtspyramide. Es war kaum über die Grenzen von Sebnitz hinaus verbreitet und blieb deshalb weithin unbekannt.
Wer es wann "erfunden" hat, ist nicht mehr festzustellen. Es kam etwa um 1850 "in Mode" und verschwand mit Beginn des 1. Weltkrieges.
Gebaut wurden die Gehäuse in sehr unterschiedlicher Größe und Ausstattung, zumeist in Eigenarbeit mit gelegentlicher Zuhilfenahme professioneller Beratung.
Eine beliebte Gehäuseform war eine Art klassizistischer Freundschaftstempel, es gab auch Türme und Ampeln. Die Höhe differiert zwischen 50 und 180/200 cm, der Durchmesser zwischen 30 und 80 cm. | Kuppel, Boden und obere sowie untere "Etage" sind mit ausgesägten Arabesken und geometrischen Mustern dekoriert und mit farbigem Papier hinterklebt.
Kernstück im Inneren ist ein Flügelrad, fest mit einer Mittelachse verbunden, die in einer Nadel endet, die sich auf einem konvexen Glasscherben dreht (Prinzip Pyramide). An den Flügelenden - oder der Achse - ist ein mit Gaze oder Transparentpapier beklebter Reifen aufgehängt, der - mit Scherenschnittfiguren beklebt - von innen mit einer Rüböl- oder Petroleumlampe beleuchtet wird, die auch durch die aufsteigende Wärme das Rad antreibt. Diese "Trommel" hat je nach Größe des Gehäuses 1-3 "Etagen". |

 | | Die Schnitte lieferte zu Hunderten der Volkskünstler Adolf Tannert, 1839 - 1913, auch auf Bestellung. Es sind überwiegend Volksszenen, z.T. in grotesker Überzeichnung, Typen, weniger die Weihnachtsgeschichte. Die ist eher als Schrift präsent: Friede auf Erden, den Menschen ein Wohlgefallen - auf den feststehenden "Etagen".
Die Schattenspiele hingen an einem kräftigen Haken an der Decke wegen der Luftzirkulation - wahrscheinlich auch eine Platzfrage.
Das Sebnitzer Heimatmuseum besitzt einige Spiele in sehr unterschiedlichem Erhaltungszustand, eines mit Original-Tannertschnitten, dazu etliche lose Streifen. Schon zu Lebzeiten kursierten Kopien, man erkennt sie am gröberen Umriss.
Die Scherenschnittpartien erscheinen schwarz auf weiß, die ornamental behandelten Streifen sind farbig hinterklebt.
Liebhaber weihnachtlicher Volkskunst sind immer wieder angerührt von dem besonderen Zauber dieser "laufenden" Bilder. | Text: Ilse Naumann, Berlin |
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