Schloß Britz

Das Schloss Britz ist das ehemalige Herrenhaus auf dem historischen Rittergut des ehemaligen Dorfes Britz im gleichnamigen Ortsteil von Berlin. Es ist heute Sitz der Kulturstiftung Schloss Britz und beherbergt in den originalgetreu rekonstruierten Räumlichkeiten des 19. Jahrhunderts ein Museum für die Wohnkultur der Gründerzeit und bietet daneben Platz für wechselnde Sonderausstellungen, Lesungen und Konzerte. Der rund 300 Jahre alte Gutspark zeichnet sich durch seinen alten Baumbestand und ein verschlungenes Wegenetz von 1890 aus. 1997 erhielt der umfangreich rekonstruierte und restaurierte Park den Gustav-Meyer-Preis. Das Schloss ist ein geschütztes Kulturgut nach der Haager Konvention. Auch der angrenzende Gutshof mit seinen historischen Wirtschaftsgebäuden aus dem 19. Jahrhundert bietet nach einer Umbauphase heute Platz und Raum für verschiedene weitere kulturelle Einrichtungen Neuköllns, wie dem Museum Neukölln und der Paul Hindemith Musikschule.

Geschichte

Im Jahr 1237 wurde Britz erstmals urkundlich als Dorf Britzig erwähnt, das Landbuch Karls IV. 1373 führte es als Briczik. Seit dem 13. Jahrhundert war die in den Ritterstand erhobene Familie derer von Britzke Lehensbesitzer und Bewohner des Ritterguts. Nachweislich befand sich im 16. Jahrhundert anstelle des Schlosses ein dem damaligen Stil entsprechendes Fachwerkhaus. Der Dreißigjährige Krieg mit seinen verheerenden Auswirkungen und wiederholte Erbteilungen zwangen die verwitwete Katharina von Britzke 1699 zum Verkauf des Anwesens an den preußischen Kurfürsten.

Der spätere preußische König Friedrich I. begünstigte seinen kurfürstlichen bzw. königlichen Kammerpräsidenten Samuel von Chwałkowski mit diesem Anwesen, der dies für 30.000 Taler erwarb. Nach seinem Tod 1705 vollendete sein Schwiegersohn den Bau eines soliden, neunachsigen und zweigeschossigen Steinhauses. Im Jahre 1717 unter dem Besitzer Friedrich Wilhelm Graf von Schwerin (1678–1727) wurde das Anwesen zum Allodialgut erklärt. Im 18. Jahrhundert war Schloss Britz unter anderem noch im Besitz von Heinrich Rüdiger von Ilgen sowie Graf Ewald Friedrich von Hertzberg. Ilgen besaß Schloss Britz von 1719 bis 1728 und diente als Staatsminister des Auswärtigen noch unter dem preußischen König Friedrich Wilhelm I. Hertzberg war 1763–1791 als Etat-, Kriegs- sowie Kabinettsminister einer der führenden außenpolitischen Köpfe in Preußen unter Friedrich II. Hertzberg richtete nicht nur in Britz eine Seidenproduktion ein, er ließ 1770 bis 1772 die Innenräume des Herrenhauses durch den Maler Bernhard Rode mit Wand- und Deckengemälden völlig neu ausgestalten.

Im 19. Jahrhundert gelangte das Anwesen in den Besitz bürgerlicher Fabrikanten. Der Seidenhändler und Spritfabrikant Johann Carl Jouanne bewohnte von 1824 bis 1857 mit seiner Familie das Gutshaus ganzjährig und ließ es diesen Ansprüchen gemäß umbauen, so dass viel von dem Dekor des 18. Jahrhunderts verloren ging. Auch der Guts- und Wirtschaftshof wurde grundlegend um 1840–1850 umgebaut, wobei Vorbilder wie das Krongut Bornstedt bei Potsdam für die noch heute erhaltenen Gebäude Pate standen, typisch ist ihre unverputzte Ziegelbauweise im italienischen ländlichen Villenstil der Schinkel-Schule. Jouanne errichtete auch die erste Brennerei auf dem Gutshof zur Produktion von Kartoffelschnaps zur Steigerung seiner landwirtschaftlichen Produktivität und als zusätzliche Verdienstmöglichkeit. Jouanne war ein Schwager und Cousin des Friedrichsfelder Gutsherrn Carl von Treskow, der eng mit dem Landwirtschaftsreformer Albrecht Daniel Thaer zusammenarbeitete und 1822 eine landwirtschaftliche Reformschule gegründet hatte. Viele Reformideen zur Verbesserung der Landwirtschaft in Britz wurden aus Friedrichsfelde übernommen, zeitweise wurden beide Güter gemeinsam verwaltet. Auch in der nächsten Generation heirateten zwei Söhne der Familie v. Treskow in Friedrichsfelde in Britz ihre Cousinen Jouanne und setzten die enge Wirtschaftsgemeinschaft fort. Unter dem letzten Privatbesitzer, dem Rübenzuckerproduzent, Händler und Spirituosenfabrikanten Wilhelm A. J. Wrede, erhielt das Haus seine heutige schlossartige Gestalt. Es wurde 1880–1883 durch den Berliner Architekten Carl Busse zu einem großbürgerlichen Landhaus im Stil der Neorenaissance umgebaut, erhielt einen Treppenturm, repräsentative Innenräume im Stile des Historismus und einen Badanbau.

1924 verkauften die Erben des letzten Gutsherren, des Fabrikanten Wrede, das Anwesen an die Stadt Berlin. Nach dem Zweiten Weltkrieg diente Schloss Britz als Flüchtlings- und später als Kinderheim. 1971 wurde Schloss Britz unter Kulturgut- und Denkmalschutz gestellt. Nach einer umfassenden Restaurierung 1985–1988, die den Zustand des letzten Umbaus von 1883 wiederherstellte, wurde es erstmals öffentlich zugänglich gemacht und ist seitdem Ort zahlreicher Kulturveranstaltungen. Daneben dienen Übernachtungsräume im Obergeschoss dem Bezirk Neukölln als Gästezimmer und werden vom Hotel Estrel als Ausbildungshotel genutzt.

Umgebung

Der benachbarte ehemalige Gutshof dient heute als ein Kulturstandort, auf dessen Gelände, unter anderem das Museum Neukölln, die Musikschule Paul Hindemith Neukölln sowie eine Freilichtbühne und ein Freigehege mit historischen Haustierrassen untergebracht sind. In unmittelbarer Nähe des Schloss- und Gutshofs schließt sich Richtung Nordosten die Hufeisensiedlung an, die, zwischen 1925 und 1933 errichtet, als eine wegweisende städtebauliche Anlage der architektonischen Moderne gilt und 2008 zum UNESCO-Welterbe erklärt wurde.

Quelle: Wikipedia, 11.11.2017