Christian Bernhard Rode – Radierungen

Ausstellung: Christian Bernhard Rode – Radierungen

11. August bis 4. November 2018


Christian Bernhard Rode (* 25. Juli 1725 in Berlin; † 28. Juni 1797 in Berlin) war ein Berliner Historienmaler in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts. Er stand in enger Verbindung zu den bestimmenden Persönlichkeiten der Berliner Aufklärung und zu deren Gedankengut, das er durch seine Werke zu verbreiten suchte.

Radierungen und Illustrationen

Die etwa 300 Radierungen bilden einen bedeutenden Komplex im Gesamtwerk Rodes. Als Technik – die er sich seit Anfang der 1750er Jahre autodidaktisch aneignete – benutzte er die Ätzung in mehreren Stufen. Später gab er diese Methode gelegentlich auf, indem er die Hauptmotive ätzte, andere Partien aber, meist die Hintergründe, als Kaltnadelradierungen behandelte. Wieder orientierte er sich an Rembrandt, nun speziell an dessen auch im 18. Jahrhundert noch sehr beliebten Radierungen. Manchmal diente ihm eine Radierung als Vorstufe zu einem Gemälde. Häufiger übertrug er nachträglich seine Gemälde in diese Technik, um Motive, die ihm wichtig waren, einem größeren Kundenkreis preisgünstig zugänglich zu machen. Zu den beliebtesten Arbeiten Rodes gehörte eine Folge von Radierungen nach den Masken sterbender Krieger, die Andreas Schlüter als Schlusssteine für die Fenster im Innenhof des Berliner Zeughauses angefertigt hatte. Die Buchausgabe von 1759 trug den Titel „Larven nach den Modelen des berühmten Schlüter gezeichnet und in Kupfer geätzt von B. Rode“. 1763 wurde in Berlin das Werk „Les Actions Glorieuses de Frédéric Le Grand“ („Die ruhmreichen Taten Friedrichs des Großen“) herausgebracht – 30 großformatige Stiche, zu denen Rode die Vorlagen gezeichnet hatte. Mit einer Reihe von Radierungen illustrierte er außerdem die „Fabeln“ des Moralphilosophen und Schriftstellers Christian Fürchtegott Gellert.

Zwischen 1779 und 1784 erschien in vier Teilen die „Allgemeine Weltgeschichte für Kinder“, von Johann Matthias Schröckh in Leipzig herausgegeben und von Bernhard Rode illustriert. Dessen Zeichnungen entsprachen in ihrer pädagogischen Haltung den Bedürfnissen und Fähigkeiten der Kinder: sie waren konzentriert auf das Wesentliche einer Handlung, oft standen Kinder im Mittelpunkt des Geschehens, auf die Darstellung von Grausamkeiten wurde nach Möglichkeit verzichtet, ebenso auf idealisierende Allegorien nach Art des Rokoko. Mit diesem Werk lieferte Rode ein Beispiel für die Illustration von Geschichtsbüchern, das bis weit in das 19. Jahrhundert hinein als Vorbild diente.

Lehr- und Reisejahre

Rode war der Sohn des Goldschmieds Christian Bernhardt Rode und dessen Ehefrau Anna Sophie. Der Kupferstecher Johann Heinrich Rode und der Kunsttöpfer Philipp Rode waren seine Brüder. Die frühesten künstlerischen Unterweisungen erhielt Bernhard durch seinen Vater, den ersten Zeichenunterricht durch einen sonst kaum bekannten Maler namens N. Müller. Wichtig für seine berufliche Entwicklung wurde die vierjährige Ausbildung in der Werkstatt des Hofmalers Antoine Pesne, damals der einflussreichste Maler in Berlin und Brandenburg. Während dieser Lehrzeit stand die Porträtmalerei im Mittelpunkt. 1748 begann Rode eine mehrjährige Studienreise. In Paris arbeitete er 18 Monate lang in den Werkstätten von Jean Restout und Charles André van Loo (auch Carle van Loo oder Vanloo genannt), er lernte Jean-Baptiste Deshayes kennen und entwickelte seine Neigung zur Historienmalerei. In Venedig und Rom studierte er die alten Meister. 1755 oder 1756 kehrte er nach Berlin zurück. Aus diesen Anfangsjahren sind nur wenige seiner Arbeiten bekannt.

Leben in Berlin

1757 heiratete der Maler, die Ehe mit seiner Frau Sophie Luise blieb kinderlos. Durch eine Leibrente aus dem Vermögen seines Vaters war Rode finanziell unabhängig – eine Besonderheit in jener Zeit, als Künstler ihr Berufsleben fast immer in direkter Abhängigkeit von ihren Auftraggebern verbrachten. Rode dagegen konnte Arbeitstechniken, Formate und Themen seiner Werke weitgehend selbst bestimmen. Er konnte es sich leisten, Bilder zu verschenken – ländliche Kirchen in Brandenburg erhielten Altarbilder von ihm, seine eigene Kirchengemeinde beschenkte er mit vier Gemälden, die noch heute in der Marienkirche in Berlin-Mitte vorhanden sind. Weil er den Unterricht in der Akademie der Künste (damals noch „Königlich-Preußische Akademie der Künste und der Mechanischen Wissenschaften“) unter ihrem Direktor Blaise Nicolas Le Sueur völlig unzulänglich fand, richtete er in seinem Haus einen privaten Zeichensaal ein, den auch Daniel Chodowiecki regelmäßig besuchte.

Seit etwa 1785 hatte Rode ernsthafte gesundheitliche Probleme, blieb aber bis kurz vor seinem Tod künstlerisch aktiv. 1797 wurde er auf dem Schützenkirchhof, dem Friedhof der St.-Nikolai- und der St.-Mariengemeinden in der Berliner Königsstadt beerdigt. Als der zentral gelegene, kleine Friedhof aufgegeben und überbaut wurde, erhielt Rode ein Grab auf dem neu angelegten St.-Marien- und St.-Nikolai-Friedhof I an der Prenzlauer Allee; die Akademie der Künste sorgte 1852 für ein Grabmal mit Porträtmedaillon. Das Grab ist seit 1994 als Ehrengrab der Stadt Berlin gewidmet.

Freund der Berliner Aufklärer

Kaminschirm mit Radierungen aus deutscher Geschichte im Gotischen Haus, Wörlitz

Zentrum der Berliner Aufklärung war seit etwa 1750 eine gelehrte Gesellschaft von Freunden um den Verleger und Schriftsteller Friedrich Nicolai – der Dichter und Philosoph Karl Wilhelm Ramler, die Philosophen Johann Georg Sulzer und Thomas Abbt sowie zeitweise Gotthold Ephraim Lessing und Moses Mendelssohn. Man wandte sich an Bürger mit wissenschaftlichen und literarischen Interessen, aufgeschlossen für die Ziele der bürgerlichen Emanzipation, zugleich aber loyal und patriotisch gegenüber dem Staat Preußen und seinem König. Die Verbindung von bürgerlicher Aufklärung und Patriotismus mündete in Bestrebungen zur Nationalerziehung, zur Förderung von deutscher Sprache und Literatur, deutscher Kunst und Geschichtsbetrachtung. Bernhard Rode gehörte dem Kreis der Geisteswissenschaftler nicht unmittelbar an, war aber mit einigen von ihnen befreundet. Die hier entwickelten Ziele und Anregungen machte er zur Grundlage seiner Arbeit.

Karl Wilhelm Ramler war einer von Rodes engen Freunden. Sein Einfluss vor allem brachte ihn dazu, die Geschichte Brandenburgs und Preußens zu einem wesentlichen Thema seiner Kunst zu machen. Dabei folgte er der Anschauung der Aufklärer, wonach Geschichte nicht eindimensional, sondern als komplexe Realität begriffen werden sollte. Nicht nur die Regierenden, sondern auch ihre Untertanen gehörten zum Bild der Geschichte und ebenso alle historischen Epochen, also auch das bis dahin vernachlässigte Mittelalter. Als philosophische Richtschnur diente Rode die „Allgemeine Theorie der Schönen Künste“, deren Verfasser Johann Georg Sulzer der Kunst eindeutig erzieherische Aufgaben zuwies und verlangte, dass jeder Künstler sich dieser Verantwortung stelle. Sulzer lobte denn auch an Rodes Werk die „Empfindungen der Rechtschaffenheit und allgemeinen Redlichkeit, der wahren Ehre, der Liebe des Vaterlandes, der Freyheit, der Menschlichkeit …“.

An der Akademie der Künste

Seit 1756 war Rode Mitglied der Berliner Akademie der Künste. 1783 wurde er als Nachfolger Le Sueurs zum Direktor der Akademie berufen. Sein langjähriger Freund Daniel Chodowiecki, ebenfalls Akademiemitglied, hatte die Ernennung entschieden unterstützt. Er und seine Kollegen an der Akademie erhofften sich von diesem Wechsel eine Neubelebung der Institution, die in den Jahrzehnten zuvor an Bedeutung verloren hatte – der sparsame „Soldatenkönig“ Friedrich Wilhelm I. hatte kaum Interesse an Kunst und Kultur, sein Nachfolger Friedrich II. (Friedrich der Große) orientierte sich fast ausschließlich an französischen Vorbildern. Trotz wiederholter Eingaben an den König mit dem Versuch, ihn für eine Neuordnung der Akademie zu gewinnen, konnte Rode nichts Wesentliches erreichen. Schließlich übernahm Chodowiecki selbst wichtige Posten an der Akademie. An deren Reform von 1790, nun unter der Herrschaft von Friedrich Wilhelm II., war er maßgeblich beteiligt. 1797, nach Rodes Tod, wurde er dessen Nachfolger auf dem Posten des Direktors.

Quelle: Wikipedia, Stand 4.9.2018